Wir sagen NEIN zum geplanten Abbruch des Fabrikschornsteins

Veröffentlicht am 21.11.2017 in Kommunalpolitik

Armin Bergmann, Herta Füchsle und Edmund Mannes vor dem Fabrikturm

Gemeinsame Stellungnahme des SPD-Ortsvereins und der SPD-Stadtratsfraktion Bobingen zum geplanten Abbruch des Fabrikschornsteins im Industriepark Werk Bobingen

Nahezu jeder Haushalt in Bobingen verdankte der Fabrik Arbeit und Auskommen. Erstaunlich gut funktionierte über Jahrzehnte die Verbindung „von Dorf und Fabrik“, weite Teile der Bevölkerung verstanden sich als „Fabrikler“ und sind heute noch stolz auf das gemeinsam Geleistete. Trotz des bis heute unverständlichen Rückzuges von Hoechst gibt es immer noch eine Traditionslinie mit der Trevira und den weiteren Gesellschaftern. Sind doch noch etwa 1000 Arbeitsplätze in der Industrieanlage vorhanden. Nicht von ungefähr taucht der Begriff „Trevirastadt“ immer wieder im Volksmund und auch in offiziellen Verlautbarungen der Stadt Bobingen auf.

 

Insbesondere ist natürlich auch der lokale Aspekt einer solchen Großanlage auf die kommunalen und gesellschaftlichen, insbesondere sozialen Beziehungen, nicht zu unterschätzen. Fährt man von Süden oder Osten kommend über das Lechfeld auf die Stadt Bobingen zu, so fällt dem Betrachter gleich der mächtige Fabrikschornstein des Kraftwerkes, mit der weithin sichtbaren „Trevira“- Aufschrift ins Auge.

 

Der Fabrikschornstein, das „Wahrzeichen“ der Stadt neben dem Hufeisenwappen, verknüpft Geschichte und Tradition überdeutlich. Die Textilindustrie im Großraum Augsburg hat historische Dimensionen, ja sie ist der tragende Grundpfeiler unserer gesamten Entwicklung hin zu einer wohlhabenden Gesellschaft. Entscheidende Impulse setzte der Bleicherei-Unternehmer Max Fischer schon 1872 und dann insbesondere der Apotheker und Kunstseide-Erfinder Dr. Friedrich Lehner, der von 1899 bis 1902 die erste deutsche Kunstseidefabrik in Bobingen errichtete. Nun begann eine über hundertjährige industrielle Großproduktion von Kunstfasern und

verwandten Produkten, die deutschlandweit und international Maßstäbe setzte. Hier wirkte auch der Perlon-Erfinder Dr. Paul Schlack.

 

Gerade in unserer schnellen, hektischen Zeit können Wahrzeichen wie der Bobinger Fabrikschornstein identitätsstiftende Haltepunkte in einer sich immer mehr in den Untiefen der Globalisierung verlierenden Gesellschaft sein. Nicht zuletzt deshalb sind wir der Auffassung, dass die aus materiellen Überlegungen heraus getroffene Entscheidung zum Abriss dieses Bauwerkes durch die Verantwortlichen auf Firmenseite ein schwerer Fehler ist. Mit dem Erhalt des Fabrikschornsteins ergibt sich die Möglichkeit, eine sinnstiftende Handlung für unsere Kommune und den Zusammenhalt der Bürger zu leisten. In Anbetracht dieser auch politischen Dimension halten wir eine Einbeziehung der Stadt und ihrer Bürger in den Entscheidungsprozess für unverzichtbar.